Mein erster Start beim Frankfurter Lufthansa Halbmarathon am ersten Märzwochenende 2009

Der Sonntagmorgen begann trübe und war nicht dazu angetan meine Nervosität zu besänftigen. Seit über 5 Monaten  war ich kein Rennen mehr gefahren, hatte durch mehrere Erkrankungen und aufgrund der witterungsbedingten Bodenbeschaffenheit kaum Kilometer in den Armen. Dazu kam, daß das Rennbike monatelang ungenutzt im Keller stand, technische Mängel aufwies, welche erst am Freitag vor dem Rennen beseitigt wurden.

Mein erster Start beim Frankfurter Lufthansa Halbmarathon am ersten Märzwochenende 2009

Der Sonntagmorgen begann trübe und war nicht dazu angetan meine Nervosität zu besänftigen. Seit über 5 Monaten  war ich kein Rennen mehr gefahren, hatte durch mehrere Erkrankungen und aufgrund der witterungsbedingten Bodenbeschaffenheit kaum Kilometer in den Armen. Dazu kam, daß das Rennbike monatelang ungenutzt im Keller stand, technische Mängel aufwies, welche erst am Freitag vor dem Rennen beseitigt wurden.

Zum Verständnis: ich benutze zwei Handbikes, ein Schweres, das sich für die alltäglichen Erledigungen, als auch für Wettkämpfe durch Feld und Wald eignet; und ein Rennbike, das nur auf Straßenbelag gefahren werden kann und dementsprechend nur bei Straßenrennen seinen Einsatz findet.

Mit der mangelnden Bikeroutine und dem Trainingsdefizit ging ich schließlich sehr nervös am Ende des Elitefeldes, zwei Minuten vor den restlichen Startern, auf die Strecke. Diese  wies ein sehr welliges Profil auf, wodurch ich, nach wenigen 100 Metern in die Bredouille geriet, an einem Gefälle das Führfahrzeug zu überholen und die beiden Polizisten, die das Feld von vorne absicherten, zum Beschleunigen zu zwingen. Prompt wurde ich veranlaßt, mich wieder am Ende des Feldes zu positionieren, um einen reibungslosen Ablauf des Wettkampfes gewährleisten zu können. Das sah ich auch sofort ein, war jedoch dadurch vollkommen aus dem Rhythmus gebracht. Daß ich den Anschluß an die Elitegruppe nicht würde halten können, war mir von Anfang an bewußt, denn dazu war die Strecke zu wellig und meine Arme zu untrainiert. Jetzt kam es nur noch darauf an, nicht zu sehr ins Hauptfeld zu geraten, um nicht ständig vielen Läuferbeinen ausweichen zu müssen.

Die Strecke führte uns zunächst gen Norden, nach einem 180° Wendepunkt wieder vorbei an Start und Ziel, durch die Innenstadt bis zum Main, von da den gleichen Weg wieder zurück zum Nordwest-Zentrum. Es war ein schönes Gefühl sich auf den breiten Straßen zwischen „ alten „ Läuferkameraden bewegen zu dürfen, die für mich ein Stück Heimat bedeuten und mir stets neuen Lebensmut geben.

Besondere Ansprüche stellte der Kurs nicht an einen Handbiker, wenn man von den Anstiegen und den teilweise engen Kurven absieht, die nur durch stärkeres Abbremsen zu meistern waren. Bei gegenseitigen Überholmanövern fühlte ich das Angenommensein in der Läufergruppe, ihre aufmunternden, anspornenden Worte habe ich noch jetzt im Ohr.

Während des gesamten Wettkampfes hatte ich nur ein einziges Problem: ich war zu leicht bekleidet. Die Fahrradhandschuhe ließen die Finger nahezu unbedeckt, so daß diese schon nach kurzer Zeit kalt und unbeweglich wurden, was sich beim Schalten und Bremsen negativ bemerkbar machte. Auch war die Langtight zu dünn gewählt, wodurch allmählich die Kälte durch den ganzen Körper kroch. Es ist nun einmal so, daß die Beine während der Fahrt völlig ruhig liegen und damit nicht zur Erwärmung des Körpers beitragen können. Das war mir natürlich bewußt, habe mich aber zu sehr von der Wettervorhersage beeinflussen lassen, die sehr milde Temperaturen angekündigt hatte. Dennoch habe ich dieses Rennen genießen und mit einer akzeptablen Zeit von 1: 21 Stunden beenden können.

Es war ein langer Weg von der Läuferin bis zur Handbikerin, eine schwierige Zeit bis zur Erkenntnis und Akzeptanz den Laufsport für immer verloren zu haben. Nach dieser Trauerbewältigung begann ein harter Kampf aus der Isolation, in die ich mich, nach den vielen erfolglosen Operationen, selbst hineinmanövriert hatte. Es kommt einem Selbstbetrug gleich ,sich nur auf seine Behinderungen zu reduzieren, anstatt sich auf die noch vorhandenen Fähigkeiten zu konzentrieren und diese auch zu nutzen. Vielfach steht der Vorwurf der Ausgrenzung durch die Gesellschaft im Raum. Das mag in Einzelfällen auch zutreffen, aber sind es nicht vielmehr wir Behinderte selbst, wenn wir uns mit Minderwertigkeitskomplexen belastet aus dem Leben zurückziehen und uns voller Selbstmitleid in einen Schmollwinkel zurückziehen. Mögen meine Auftritte bei Laufveranstaltungen anderen Menschen mit körperlichen Behinderungen Mut machen, sich auch auf einen Weg zu begeben, der sie in eine lebenswerte, frohe Welt zurückführt.

Nun bleibt mir nur noch zu sagen, wie froh ich bin, daß Ihr, Spiridon Frankfurt, mir die Teilnahme an diesem Lauf ermöglicht habt.

Mein besonderer Dank gilt allen Veranstaltern in der Region, die, wenn es ihre  Strecke zuließ, nach Lösungen suchten, meinen Start in den Wettkampf zu integrieren. Mögen die bisher gemachten Erfahrungen mit meiner Beteiligung die  Unsicherheit einiger Veranstalter beseitigen und sie ihre Läufe für Menschen mit Behinderungen öffnen lassen.

Eure Karin Schließmann

[Foto von Stephan Scheibel]