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Heiko Ludewig (Platz 2) und Ulrike Wagner (Platz 3) auf dem Podium - Frauen holen vierten Teamtitel in Folge

Hessische Meisterschaften, sei es auf der Bahn oder den klassischen Straßendistanzen, finden seit Jahren zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt statt. Dies galt auch für den Halbmarathon, dessen Meisterschaften der HLV dieses Jahr auf das letzte Augustwochenende gelegt hatte. Zu dieser Zeit hat für viele die Vorbereitung auf einen Herbstmarathon begonnen, da kommt ein ernsthafter Start über die Halbmarathondistanz eher ungelegen. Trotzdem starteten am vergangenen Wochenende viele Vereine fast geschlossen mit ihren schnellen Läufer und Läuferinnen.

Auch Spiridon war mit drei Läuferinnen und sechs Läufern vertreten, stand aber bei weitem nicht mit dem stärksten Aufgebot an der Startlinie. Das kleine Aufgebot konnte mit starken Leistungen und einigen Titelgewinnen überzeugen. Unsere Frauen zeigten mit dem vierten Teamtitel in Folge erneut ihre Dominanz auf Landesebene. Heiko Ludwig brach mit Platz 2 erfolgreich in die Phalanx der starken hessischen Läufer ein und steigerte dafür seine Bestzeit deutlich.

2009_hm_schotten_22009_hm_schotten_1Vier Siege in Folge sind an sich ein überzeugendes Argument, um die Dominanz unserer Frauen auf Landeseben zu unterstreichen. Beeindruckender ist, mit welcher Überzeugung und Ruhe unsere drei Starterinnen das Rennen angingen und letztlich erfolgreich beendeten. Ulrike Wagner, Vera Martens und Karin Schenk waren auf den Punkt fit und optimal eingestellt. Überzeugt, dass keine von ihnen das zu Beginn des Rennens hohe Tempo mitgehen bzw. zu Ende bringen könnte, übten sich alle drei in der inzwischen gewohnten Zurückhaltung. Erst am Ende, wenn die Plätze vergeben werden, traten unsere Frauen in Erscheinung und konnten wichtige Plätze gutmachen. Hier trägt die inzwischen jahrelang Trainings- und Überzeugungsarbeit von Trainer Kurt Stenzel Früchte und es überrascht nur noch wenige, wie stark unsere Läuferinnen am Ende des Rennens sind, wenn bei den anderen zumeist die Kräfte schwinden.

Nach dem Startschuss entwickelte sich ein spannendes Rennen mit vielen Positionswechseln. In der ersten von vier knapp fünf Km langen Runden um den Schottener Stausee drückte die junge Hannah Menne vom PSV Grün-Weiß Kassel dem Rennen ihren Stempel auf und lag bei KM 5 etwa 30 Sek. vor der bekannten Schnellstarterin Haimanot Haile von der LG Frankfurt. Etwas mehr als weitere 30 Sek. dahinter folgte eine große Gruppe mit fünf Läuferinnen, in der Seite an Seite auch Ulrike und Vera sowie die spätere Siegerin Kerstin Straub aus Hanau liefen. Karin Schenk lief nach dem Start sofort ihr eigenes Rennen und hielt sich aus allen Positionskämpfen heraus. Zum Ende des Rennens sollte sie noch den einen oder anderen Platz gut machen. In der zweiten Runde gab es an der Spitze die ersten Positionswechsel, nach zehn KM hatte Haimanot Haile die Spitze übernommen und lief nun mit Hannah Menne und Kerstin Straub, die die Lücke zu den ersten beiden Frauen geschlossen hatte, gemeinsam an der Spitze. Vera und Ulrike liefen weiterhin mit zwei anderen Frauen etwa 90 Sek. dahinter. Die Entscheidung über den Tagessieg und den Einzeltitel fiel bereits in der dritten Runde, in der an der Spitze einzig Kerstin Straub ihr hohes Tempo halten konnte. Haile wie auch Menne hatten, wie sich immer mehr zeigte, deutlich überzogen und vielen zurück. Ulrike und Vera konnten ebenfalls ihr Tempo halten und gegenüber der zweit- und drittplatzierten Sekunde um Sekunde aufholen sowie sich von ihren beiden Konkurrentinnen absetzen. Richtig spannend wurde es in der vierten Runde. Haimanot konnte ihr Tempo halten, Menne wurde immer langsamer. Etwa bei KM 18 hatten Vera und Ulrike Menne gestellt und überholten sofort. Damit war aber Mennes Kampfgeist erweckt und sie konterte sofort unwiderstehlich. Mit ihrer Temposteigerung holte sie sogar Haimanot wieder ein. Für Vera und Ulrike schienen nur die Plätze 4 und 5 zu bleiben, da der Abstand zu den beiden Läuferinnen vor ihnen selbst bei KM 20 mit ca. 20 und 30 Sek. deutlich war. Offensichtlich konnten sie sich am Schluss gegenseitig anstacheln und ziehen – auf den letzten knapp 1.100 m überholten beide noch Haimanot und konnten sich Platz 3 und 4 sichern. Ulrike setzte sich mit neuer Bestzeit in 1:23:27 knappe fünf Sekunden vor Vera durch (1:23:32).

Ebenso wie die Vergabe der Podiumsplätze war auch das Rennen um den Teamtitel lange spannend. Grün-Weiß Kassel war mit drei in der Summe im Vergleich zu unseren Frauen etwa gleichstarken Läuferinnen angetreten. Es kam also ganz entscheidend auf Karin an, wo unser Team am Ende landen würde. Karin lief ein sehr überzeugendes Rennen, lag zu Beginn etwa auf Platz 15 und konnte sich in der zweiten Hälfte um einige Positionen auf den zwölften Platz vorarbeiten. Mit 1:29:13 blieb sie deutlich unter der 90-Minuten-Grenze und trug ihren Teil zum Teamerfolg überzeugend bei. In der Gesamtzeit von 4:16:12 konnten Ulrike, Vera und Karin das Team des PSV Grün-Weiß Kassel letztlich um deutliche 3:23 Minuten distanzieren.

Neben Teamtitel und Plätzen 3, 4 und 12 wurden weitere Titel und Plätze in den Altersklassen eingefahren. Ulrike wurde Meisterin in der W40/45, Vera wurde hier zweite. Karin sicherte sich den zweiten Platz in der W30/35. So musste keine der drei Frauen mit leeren Händen die Heimreise antreten.

Das Rennen der Männer verlief nicht ganz so spannend und entsprach in weiten Teilen einem typischen Meisterschaftsrennen. Schon bei KM 5 hatte sich eine sechsköpfige Gruppe an der Spitze gebildet, in der der spätere Sieger Jörn Harland (Grün-Weiß Kassel) und auch Heiko Ludewig liefen. Da die vier anderen Läufer der Gruppe das Tempo auf der zweiten Runde einigermaßen niedrig halten konnten, blieb diese Gruppe bis etwa KM 10 zusammen. Hier verschärfte Harland erstmals das Tempo und zwei Läufer fielen sofort aus der Gruppe. Auf der dritten Runde ließ Harland weitere kleine Tempoverschärfungen folgen, der letztlich keiner der Konkurrenten dauerhaft folgen konnte. Heiko hatte kurz vor KM 15 eine Tempoverschärfung verpasst, da er ständig an letzter Stelle der Gruppe lief und zugleich bei einer der vielen Überrundungen in ungünstiger Position lag. Als er die Lücke zu Harland bemerkte, war es zu spät, um diese zu schließen, zumal Harland nun die Entscheidung suchte und deutlich angezogen hatte. So musste er sich letztlich auf die zweite Position und auf eine Zeit unter 70 Minuten konzentrieren. Beides gelang überzeugend. In 1:09:36 lief er mit einer um fast drei Minuten gesteigerten Bestzeit auf Platz 2 ins Ziel und konnte die Konkurrenz deutlich distanzieren. Lediglich Harland hatte sich über eine Minute (1:08:33) abgesetzt und souverän den Titel geholt. So sehr sich Heiko über Zeit und Platz freute, ging er auch kritisch mit seinen Rennverlauf um. Bei den vielen Überrundungen ab der zweiten Runde hatte es sich als ungünstig erwiesen, immer am Ende der Spitzengruppe zu laufen. So war er nicht immer über das aktuelle Geschehen an der Spitze im Bilde und musste einige Male nach Harlands Tempoverschärfungen Lücken mit viel Kraftaufwand zulaufen. Den entscheidenden Vorstoß Harlands verpasste Heiko völlig. Hier wäre sicherlich eine noch bessere Zeit möglich gewesen. Im Rennen um den Titel hätte Heiko allerdings kaum eine Chance gehabt, dafür ist Jörn Harland einfach zu stark. Trösten konnte sich Heiko mit dem Titelgewinn in der Altersklasse M30/35. Für den anstehenden Marathon in Frankfurt scheint Heiko jedenfalls auf dem besten Wege. Dort kann er dann gleich das nächste Duell mit Harland bestreiten. Als ausgewiesener Ausdauertyp stehen seine Chancen dann deutlich besser.

Als zweiter unserer Männer kam Ole Nückel ins Ziel. Auch er konnte mit einer neuen Bestzeit glänzen und damit sein selbstgestecktes Ziel erreichen. Ole ging das Rennen in jeweils 18 Minuten für die beiden ersten 5 KM-Abschnitte an. Ab der dritten Runde ließ das Tempo etwas nach, sicherlich auch eine Folge der vielen Überrundungen, die zum Teil im Slalomkurs zu bewältigen waren und zusätzlich Kraft kosteten. Der Wunsch einer Zeit im Bereich 1:15 Std. konnte so nicht realisiert werden. Mit 1:16:15 ist er der gewünschten Zeit bis auf wenige Sekunden nahe gekommen. Im Ziel lag er auf Platz 28, in der Altersklasse erreichte er Platz 7.

Die nächsten beiden Spiridonis im Ziel waren Rainer Knorpp und Christoph Hennemann. Für beide zählte das Meisterschaftsrennen nicht zu ihren Höhepunkten. Dem entsprechend blieben beide mehr oder weniger hinter ihre Leistungspotential zurück. Rainer konnte sich in 1:18:06 auf Platz 36 knapp vor Christoph auf Platz 37 in 1:18:13 platzieren. Christoph lag lange deutlich hinter Rainer zurück, hatte seine stärksten KM aber auf der letzten Runde. Auf dem letzten KM zeigte Christoph seine enorme Spurtfähigkeit und machte noch etwa fünf Plätze gut. In den Altersklassen reichte es für Rainer zu Platz 5 (M40) und Christoph zu Platz 8 (M35).

Auch bei den Mannschaften konnten sich unsere Männer einigermaßen erfolgreich platzieren. Für Heiko, Ole und Rainer reichte es gesamt in 3:43:57 zu Platz 5. In der Altersklasse M30/M35 feierten Heiko, Ole und Christoph immerhin den zweiten Platz in 3:44:04.

Auch die weiteren drei Männer, die in Schotten am Stand starten, zeigten starke Leistungen und konnten weitere gute Platzierungen erringen. Nur einer blieb (leider) ganz ohne Urkunde. Spiridon-Neuzugang und Halbmarathon-Debütant Anar Efendiev zeigte allerdings mit 1:23:58 ein beeindruckendes Debüt und konnte gleich bei seinem ersten Halbmarathon deutlich unter einem 4-Minuten-Schnitt bleiben. Hier ist für die Zukunft noch einiges zu erwarten, zumal Anar seine Laufkarriere erst vor einigen Monaten begonnen hat. Platz 78 in der Gesamtwertung sowie Platz 10 in der Altersklasse M30 sind jedenfalls ausbaubar. Dahinter zeigten zwei unserer besten Altersklassenläufer erneut, zu welchen Leistungen sie fähig sind. Nachwuchs-M60er Werner Bohr zauberte eine 1:27:12 auf die Strecke und holte damit den zweiten Platz in seiner Altersklasse. Burkhard Kminek musste auf der letzten Runde seinem verletzungsbedingten Trainingsrückstand Rechnung tragen. Immerhin verpasste er die 1:40 Std. nur um eine knappe Minute (1:40:51) und lag im Ziel auf Platz 5 der M65.

Unterm Strich kann Spiridon mit den Leistungen und vor allem Platzierungen mehr als zufrieden sein. Etwas schade ist die geringe Beteiligung. So zeigen unsere Männer erneut nicht ihr enormes Meisterschaftspotenzial. Sicherlich ist, wie eingangs erwähnt ein Meisterschaftstermin Ende August nicht optimal, sicherlich liegt der Austragungsort Schotten für Frankfurter etwas ungünstig. Andererseits schaffen es andere Vereine, ihre Läufer auf solche Termine zu fokussieren. So bleibt (erneut) als Fazit das berühmte „hätte, wäre, wenn“ Spiridon geschlossen antreten würde, zumindest die Meisterschaften auf Landesebene bei den Männern ähnlich dominiert würden, wie bei den Frauen. Zumindest für die hessischen Meisterschaften über Marathon scheint Besserung in Sicht. Hier haben bei den Männern schon jetzt deutlich mehr unserer schnellsten Läufer ihre Startbereitschaft bekundet. Ziel: Meisterschaft mit dem Team. Stehen alle am 23. Oktober in Frankfurt in Bestform am Start, stehen die Chancen mehr als gut.

Spiridon Frankfurt (Torsten Sigmund)