28. swissalpine am 27.07.2013: Bis auf knapp 3000 m bei knapp 30 Grad

Bereits bei der Ankunft in Davos zum 28. swissalpine war mir klar, dass die „Bekleidungs“frage für den Lauftag nicht hieß: kurz oder lang?, sondern: Lichtschutzfaktor 30 oder 50?Am Lauftag um kurz nach 8 Uhr auf dem Weg zum Zug, der mich und die anderen Läufer des K42 von Davos zum Start nach Bergün bringen sollte, war die Temperaturwelt noch in Ordnung: Angenehme Lauftemperaturen zwischen 15 und 20 Grad. Anders sah es dann schon beim Aussteigen nach der 45minütigen Zugfahrt am sonnigen Bahnhof von Bergün aus. Und bei der Startaufstellung an der Albulapassstraße auf 1.380 m Höhe standen dann so ziemlich alle Läufer bis wenige Sekunden vor dem Startschuß einige Meter von der Startlinie entfernt im Schatten.

Die knapp 5 km lange nur leicht wellige Einlaufrunde um Bergün brachte dann schnell die ersten Schweißperlen hervor, bevor es auf einem sonnenbeschienenen Serpentinenhang zu einem ersten Aussichtspunkt ging. Hier waren bei mir auch die ersten kurzen Geh-Etappen angesagt. Dann gings erst mal auf einem schattigen Bergpfad abwärts ins Val Tuors. Dieses führte in gleichmäßiger Steigung auf nicht asphaltiertem Fahrweg zunächst nach Chants (km 13) und von dort dann weiter mit unterschiedlicher, teils heftiger Steigung zur Keschhütte auf 2.632 m, die nach 18,5 km erreicht wird. Hier fand ich dann endlich wieder Temperaturen nur wenig über 20° C vor, die mir das Laufen wieder leichter machten.

Allerdings galt es jetzt, die nächsten 5 km bis zum Sertigpass zunächst abwärts, dann eben und schließlich wieder aufwärts auf alpinen Wanderwegen unterwegs zu sein, was insbesondere bergab meine höchste Konzentration erforderte. Hier zeigte sich dann auch die im Taunus doch sehr beschränkte Trainingsmöglichkeit für solche Strecken, denn bergab wurde ich vielfach überholt. Einige der Überholer konnte ich dann meinerseits im Anstieg zum Sertigpass, dem mit 2.739 m höchsten Punkt der Strecke, wieder überholen. Nun ging es weiter auf alpinem Wanderweg recht steil abwärts, wobei die Strecke durch einige Altschneefelder gewürzt war, auf denen ich mit meinen ansonsten für die Strecke heute recht gut geeigneten Straßenlaufschuhen nur wenig Halt fand. Als dann bei km 27,5 bei der Chüealp auf 2.101 m endlich wieder ein planierter Weg erreicht war, währte meine Freude nur kurz. Denn dieser Weg ging wieder relativ steil abwärts, was meinen Oberschenkeln und Knien ziemlich viel Bremsenergie abforderte. So war ich dann mit meiner Konzentration ziemlich am Ende als es unterhalb von Sertig Dörfli längere Zeit auf einem schattigen Wurzelpfad eben am Hang entlang ging, was mich sicher 10 oder gar 20 Minuten in der Zielzeit gekostet hat.

Als es dann endlich unterhalb von Clavadel bei km 37,5 auf einen abwärts führenden breiten Waldweg ging, dachte ich: „Super, jetzt geht’s endlich nur noch bergab!“ Doch wir wären nicht in den Alpen, wenn es nicht doch noch einige nette kleine Steigungen bis km 40,5 gegeben hätte. Und so war ich dann froh, nach 6:22:38 bei 30° C endlich ins Sportzentrum Davos (1.538 m) einlaufen zu dürfen. Eigentlich wollte ich ja deutlich schneller sein, aber die hohen Temperaturen und die schwierigen Bergabpassagen haben eben doch ihren Tribut gefordert – und als ich dann später meine Plazierung in der Ergebnisliste – sicher in der ersten Hälfte meiner Altersklasse – sah, war ich gar nicht mehr so unglücklich.

Anzumerken bleibt, daß in Davos natürlich gleichzeitig der berühmte K78 (78 km mit 2.650 Höhenmetern) stattfindet. Diesen gewann bei der Herren der Schwede Jonas Buud in 6:13:28 – und das bereits zum siebten Mal in Folge – Hut ab. Beeindruckend war bei der Siegerehrung aber vor allem zu hören, daß die Davoser Lokalmatadorin Jasmin Nunige im Gesamteinlauf des K78 nach vier Männern als fünfte in 6:53:00 ankam und somit den Damen-Wettkampf das fünfte Mal in Serie gewann – und das mit fast einer Dreiviertelstunde Vorsprung vor der Zweitplazierten.

Michael Spreng