10. 24 h Lauf in Dettenhausen am 19. Juli

2014 dettenhausen 2Eine wundervolle Veranstaltung und super liebe Leute. Ich danke vor allem Alisa Karl für ihre liebevolle Unterstützung, dass sie dabei war und mir zur Seite stand, denn die letzte Runde bis endlich das langersehnte Ziel nach 24 h erreicht war gingen wir Hand in Hand gemeinsam. Ich war danach auch zu nichts mehr fähig und schlief fast im Stehen ein.

Ich bin bis auf ca. 1,5 h die ganze Zeit gelaufen. So an alle Kritiker da draußen die mir beim MDS helfen wollen oder es vielleicht nicht wollen weil sie nicht wussten aus welchem Holz ich geschnitzt bin! 158 km habe ich gemacht, es war mein 1. 24 h-Lauf, bislang waren es maximal 72,7 km beim Rennsteig. Im Ziel auf Position 5, ich kann mich nicht beklagen. Vor mir nur Profis, Leute die das nicht zum ersten Mal machen. Lange verteidigte ich Platz 2 aber durch Kreislaufprobleme gegen 00:30 Uhr musste ich kurz ruhen und konnte das nicht mehr aufholen. 35 Grad zeigte das Thermometer und ich schonte mich extra nicht weil beim Marathon des Sables werde ich auch mit Hitze leben müssen. Klar büßte ich das mit dem Kreislauf, 15 min sitzen, Hefeweizen und Suppe rein und dann ging meist wieder was. Alisa Karl hatte so eine lange Distanz noch nie gelaufen und stellt euch vor, sie lief 84 km! Zwar ging sie, aber sie ging und ging und ging kontinuierlich weiter. Als sie sich dann schlafen legte, lief ich die ganze Nacht durch, kroch einmal zu ihr kurz ins Zelt um mich zu stabilisieren und machte dann weiter. Immer wieder auf und ab, teilweise konnte ich nur noch "wandeln", denn gehen kann man das nicht mehr nennen. Ich wollte extra weiter, denn ein 24 h Rennen heißt doch nicht umsonst 24 h-Rennen. Gegen 07:00 Uhr fing ich an Soldatenlieder zu singen und zu marschieren, strammer Marsch, links, zwei, drei, vier, blendete alles andere völlig aus. Gegen 8:20 Uhr wandelte ich mit geschlossenen Augen zum Teil über die Strecke, wurde von den Staffelläufern überholt, war gar nicht mehr wirklich da, fühlte mich wie im Traum oder Trance. Hörte zwar die Anderen aber war wie weggetreten, es sind doch nur noch 1 h 40min "nur" .... Ich stellte mir Rechenaufgaben, um zu prüfen ob mein Verstand arbeitete. Aber ich war kaum ansprechbar. Wir liefen immer wieder an der Zeltstadt vorbei und ich sah in meiner letzten Runde Alisa vor unserem Zelt. Noch eine, nur noch eine, sagte ich mir, aber ich Wahnsinniger wollte um 8:50 Uhr ja noch Laufen! Das ging auch 2 Runden noch gut aber das war es dann. Ich wankte am Zelt vorbei, es war jetzt 9:20 Uhr und ich sagte mir wen ich jetzt trödle dann muss ich vielleicht keine weitere Runde mehr machen denn um 9:45 Uhr ging es zur Ehrenrunde! Das hat Tradition und ich wollte mit Alisa diese Runde Hand in Hand gehen aber dazu kam es nicht mehr. Ich wankte also am Zelt vorbei, Alisa trieb mich an, "Komm weiter, bald hast du es!". Ich rief "Komm zu mir, bitte!". Tat sie. Nur noch ca. 300m bis ins Ziel und sie führte mich jetzt. Ich war kaum noch in der Lage einen Fuß vor den anderen zu setzen, torkelte durchs Ziel und es war schon wieder so verdammt heiß seit 2 Stunden!

Ich war zur Ehrenrunde nicht mehr fähig, konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, wollte in unser Zelt, das aber 300m weit weg stand. Ich kam bis zum nächsten Baum und dann war Schluss, ab auf den Boden. Mir war so schlecht und wenn ich versuchte mich nur annähernd aufzusetzen hatte ich Sehstörungen. Liegen bleiben. Alisa fütterte mich mit Wasser und Würstchen, da ging nur teilweise noch was rein. Sie blieb sogar die Ehrenrunde bei mir. Bei mir ging es beim besten Willen nicht, kriechen hätte ich noch versuchen können, aber man soll es ja nicht übertreiben. Nach 30 min ging es mit dem Kreislauf wieder, war knapp, ich dachte der bricht zusammen. Augen, Nerven, Muskeln, alles völlig überanstrengt. Und jetzt Zelt abbauen, da hat man Mega Lust darauf, vor allem wenn du dich kaum bewegen kannst...

Wir bauten das Zelt ab, gingen Frühstücken, 1 Scheibe Brot, Obst, mehr ging nicht rein, Kaffee schon gar nicht. Ohne Alisa wäre ich vermutlich nach Berlin gefahren, denn ich konnte im Zug ja kaum noch die Augen offen halten.

Die Videodoku versuchte ich während des Rennens mit dem iPhone zu erstellen. So lange ich dazu in der Lage war, dann war der Akku des iphone und des Forerunners leer und du freust dich über jedes Gramm, welches du wegwerfen kannst. Ich habe mir am Rand der Strecke eine Basis gebaut wo ich etwas Essen, Sachen ablegen oder aufnehmen konnte. Zum Schluss war ich dann auch nicht in der Lage Alisa zu fragen ob sie noch ein Video machen kann, denn wir hatten da echt andere Sorgen.

Leute! Ihr hättet mal sehen müssen wie Alisa und ich über den Bahnhof wankten. Jede Treppe, alles wurde zum Problem. Nun müsst ihr wissen, die Leute sehen ja nur zwei junge Leute die 2 Taschen, einen Schlafsack und Isomatte schleppen, also nichts Besonderes. Und wieso bewegen die sich als würden sie gleich umfallen? Niemand wusste dass wir einen 24 h Lauf hinter uns hatten. Blasen am Vorfuß und meine Schuhe passten mir nicht mehr! Wir müssen ein tolles Gespann abgegeben haben und ich hätte zu gern in die Köpfe mancher Leute geschaut. Ich ging am Folgetag sogar Arbeiten, aber da musste ich erst eine riesen Blase aufmachen damit ich gehen konnte. Die erste Nacht schlief ich wie tot, bekam nichts, aber auch gar nichts mit. Die zweite Nacht sollte ich merken was es heißt am ganzen Körper Schmerzen zu haben.

Besonderes Danke an Heide Motzer, Alisa Karl, Biggi, der gesamten Veranstaltungscrew, dem Wirt des VFL Dettenhausen und allen euch lieben Mitläufern für das Ding was wir da gedreht haben!

Euer Harry